Chemnitz-Helbersdorf im Jahr 1990 (Luftaufnahme)

Helbersdorf von Norbert Engst
Dasselbe liegt unterhalb der Chemnitz-Stollberger Chaussee, rechts von dem diese Chaussee tragenden Höhenzuge, links von den das Flussthal zwischen Altchemnitz und Helbersdorf einnehmenden Wiesen begrenzt.“ Mit diesen blumigen Worten wird der Ort in einer 1880 herausgegebenen Beschreibung der Chemnitzer Vororte vorgestellt. Doch bereits im Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon aus dem Jahr 1816 wird darauf hingewiesen: „Man muß es mit Hilbersdorf, welches nördlich von Chemnitz liegt, nicht verwechseln“. Über die Jahrhunderte alte Vorgeschichte ist wenig bekannt. Der Ortschronist Adam Daniel Richter berichtet, dass Helbersdorf anno 1316 „dem Kloster Kempnitz von Herrn Heinrich von Waldenburg umbsonst geeignet“ wurde.
Die prosperierende Entwicklung der Chemnitzer Industrie im 19. Jahrhundert wirkte sich auch auf Helbersdorfs aus. Die Vereinigung Helbersdorfs mit dem Stadtgebiet am 1. Oktober 1909 brachte Vorteile für beide Seiten mit sich. Die Stadt Chemnitz legte besonderen Wert auf die 216 Hektar unbebauter Fläche zur Schaffung von Wohnraum für Arbeiter der Chemnitzer Fabriken. Für Helbersdorf war der Bau eines neuen Schulgebäudes sowie die Beschleusung und Klärung der Abwässer prioritär. Zudem erhoffte man sich in Helbersdorf niedrigere Steuerabgaben und die Zugehörigkeit zur Chemnitzer Nikolaikirchgemeinde.
Doch auch nach der Eingemeindung gelang es Helbersdorf noch einige Zeit, sein ursprüngliches Erscheinungsbild zu bewahren. Zum 25. Jahrestag der Eingemeindung 1934 hieß es in einem Zeitungsbericht: „Trotz der 25- jährigen Zugehörigkeit zur Stadt ist der dörfliche Charakter Helbersdorfs kaum wesentlich verändert worden. Wenn man durch diese Vorstadt wandert […] findet man gar keinen so großen Unterschied zwischen einst und jetzt […] hoffentlich kommt bald die Zeit in der diese Vorstadt auch alle Merkmale eines Stadtteils einer Großstadt erhalten kann.“
Diese Zeit kam, 40 Jahre später!

Mit einem großen Festakt und der feierlichen Grundsteinlegung sowie drei symbolischen Hammerschlägen am 5. Oktober 1974 begann offiziell der Bau des ersten Teils des Wohngebietes Fritz Heckert“. Zwischen Helbersdorfer und Stollberger Straße entstanden in drei Bauabschnitten 6.030 Wohnungen für rund 16.500 Einwohner. Die großen Höhenunterschiede am Helbersdorfer Hang stellten hohe Anforderungen an Planer und Bauleute. Gleichzeitig ermöglichten gerade diese Höhenlagen hervorragende Wohnlagen und herrliche Ausblicke weit über den Stadtpark hinaus.
Da das Baugebiet I, der heutige Stadtteil Helbersdorfer Hang, im Rahmen einer komplexen Stadtplanung konzipiert wurde, verfügt dieser Stadtteil über alle notwendigen Einrichtungen zum Wohnen und zur Erholung. Für die vielen Kinder wurden an der Friedrich-Hähnel-Straße drei Schulen mit Sportplatz und Turnhallen errichtet. An der Paul-Bertz-Straße entstand ein Versorgungszentrum. Mehrere Kindergärten und altengerechte Wohnungen ergänzen das Angebot im Wohngebiet.

In den 1990er Jahren blieb auch der Helbersdorfer Hang nicht vom allgemeinen Bevölkerungsrückgang verschont. Ab 2002 wurden mehrere Häuserzeilen rückgebaut und anschließend aufwendig saniert, die Einwohnerzahl stabilisierte sich. Seit einigen Jahren sind wieder Zuzüge zu verzeichnen. Kein Wunder, denn der Helbersdorfer Hang hat besondere Potenziale. Zum einen verbindet er grünes Wohnen am Stadtrand mit kurzen Wegen in die Chemnitzer Innenstadt. Die Nähe zum Stadtpark und zum Kappelpark sowie die gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sind weitere Pluspunkte. Auch die historischen Bezüge wie das alte Flughafengebäude, die Villa Esche oder die prächtigen Gründerzeitvillen entlang der Parkstraße, Johannes-Reitz-/Liszt- und Richard-Wagner-Straße sprechen für Helbersdorf. Die Nähe zu Sportanlagen ist ein Pluspunkt für Jung und Alt.


Helbersdorf hat sich in den letzten Jahren immer wieder als Standort für kultur- und kunsthistorisch bedeutende Werke hervorgetan. So wurde 2023 der Wenzel-Verner-Platz als Standort für das sanierte Kugelensemble des Künstlers Karl Clauss Dietel ausgewählt. In unmittelbarer Nähe wurde 2024 der denkmalgeschützte symbolische Grundstein des Heckert-Areals mit Schrifttafel des Bildhauers Volker Beyer feierlich wieder eingeweiht. Die Jugend“, ein Wandbild von Fritz Diedering auf Sichtbeton, befindet sich auf dem Vorplatz der Grundschule Am Stadtpark“.
Aber auch die mannshohen Sandsteinskulpturen im Umfeld der Paul-Bertz-Straße 6-8 zeugen von der Tradition, das Leben im Wohngebiet durch angewandte Kunst zu bereichern. (Text: Norbert Engst)
Chemnitz-Helbersdorf im Jahr 2025







